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SSRQ ZH NF I/1/11 89-1

Sammlung Schweizerischer Rechtsquellen, I. Abteilung: Die Rechtsquellen des Kantons Zürich. Neue Folge. Erster Teil: Die Stadtrechte von Zürich und Winterthur. Erste Reihe: Stadt und Territorialstaat Zürich. Band 11: Gedruckte Mandate für Stadt und/oder Landschaft Zürich, par Sandra Reisinger

Citation : SSRQ ZH NF I/1/11 89-1

Licence : CC BY-NC-SA

Harschierordnung der Stadt Zürich

1787 mars 26.

Bürgermeister und Rat der Stadt Zürich erlassen eine erneuerte Harschierordnung mit drei Teilen. Jeder Harschier soll ein gedrucktes Exemplar der Ordnung erhalten. – Im ersten Teil der Ordnung werden die allgemeinen Pflichten aufgeführt. Alle obrigkeitlich bewilligten Harschiere müssen die Ordnung kennen und sie korrekt anwenden (I). Harschiere müssen einen ehrbaren Lebenswandel führen, keine Nebengeschäfte tätigen und sollen sich vor Bestechung hüten (II-IV). Zum Dienst müssen alle Harschiere in der vorgeschriebenen Uniform, Ausrüstung und mit ihren Gewehren erscheinen (V). Es folgen Bestimmungen betreffend die Vorgesetzten der Harschiere. Neben der Patrouillenkammer unterstehen die Harschiere auch dem Stadthauptmann. Des Weiteren müssen sie die Befehle der städtischen Gerichte, der Nachgänger sowie der Obervögte und Landvögte ausführen. Nach Verrichtung der Aufträge müssen die Harschiere jeweils einen Rapport abgeben (VI). Die wichtigste Pflicht der Harschiere ist die Ausweisung unerwünschter Personen, die in drei Gruppen eingeteilt werden: Zur ersten Gruppe zählen fremde Fahrende, Krämer, Flüchtlinge, Proselyten, ausländische Soldaten, Deserteure, Galeerensklaven, Spielleute und Spendensammler (Steuersammler). Die zweite Gruppe bezieht sich auf Bettler und vorgetäuschte Bettler. Diesen Personen ist es trotz Bescheinigung ihres Pfarrers nicht erlaubt, im Land herumzuziehen. In die dritte Gruppe fallen eidgenössische Bettler, die mit ihrem Haushalt herumreisen. Bei allen drei Gruppen gilt, dass erneutes Betreten des Zürcher Herrschaftsgebiets zu Bestrafung durch die Obrigkeit des jeweiligen Amtes oder der Stadt Zürich führt. Eidgenössische und fremde Spendensammler mit gültigen Pässen dürfen nur in der Stadt Zürich Geld sammeln. Handwerksgesellen, eidgenössische Soldaten und Deserteure werden ermahnt, lediglich auf Hauptstrassen zu reisen und sich des Fechtens zu enthalten. Falls die Harschiere die Streifzüge nicht selbst durchführen können, sollen sie die Aufgabe der Dorfwache übergeben (VIII). Eine weitere Aufgabe der Harschiere ist die Kontrolle der Dorfwachen, die Überprüfung der Wasserwege sowie das Aufspüren von verdächtigen Personen in Dörfern oder auf Höfen. Verdachtsfälle müssen die Harschiere unverzüglich anzeigen (VIII). Des Weiteren sollen die Harschiere ihre Streifzüge mit gut gewarteten und geladenen Gewehren, mit Munition und in Armatur durchführen. Zur Vermeidung von Unglücksfällen müssen bei Ablegung des Gewehrs sowie beim Schiessen tollwütiger Tiere Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden (IX). Es folgen Anweisungen, wie die Harschiere bei der Verhaftung von kleinkriminellen Personen, gefährlichen Verbrechern und unbekannten oder schwer erkennbaren Verbrechern vorgehen sollen. Das Gewehr darf nur in Notwehr oder bei flüchtenden Personen mit Schuss auf die Beine verwendet werden. In schwierigen Fällen können die Harschiere weiteres Sicherheitspersonal aufbieten. Für die Identifizierung von Verbrechern dienen den Harschieren schriftliche Personenbeschreibungen (Signalements), die sie ihren Berufskollegen mitteilen sollen. Falls Unklarheit über eine verdächtige Person vorliegt, können die Harschiere Befragungen, Passkontrollen und Taschendurchsuchungen durchführen. Es ist ausserdem möglich, die verdächtige Person zur weiteren Überprüfung in die Stadt Zürich zu führen (X-XII). – Der zweite Teil der Ordnung enthält Pflichten für die Stadtharschiere. Diese müssen sich jeden Morgen bei Tagesanbruch beim Rathaus einfinden. Falls in der Nacht zuvor Ereignisse vorgefallen sind, welche die Dienste der Stadtharschiere erfordern, erhalten sie ihre Befehle vom Stadthauptmann; ansonsten sollen sie bei den Stadttoren nach verdächtigen Personen fragen. Ausserdem müssen die Stadtharschiere bei ihren Patrouillen in der Stadt auf verdächtige Personen achten. Während der Mittagszeit soll die Hälfte aller Stadtharschiere patrouillieren. Zwar endet der Dienst der Stadtharschiere bei Nachteinbruch, aber falls ihre Dienste nötig sind, sollen sie diese anbieten (1). Jeden Nachmittag muss ein Stadtharschier zu einem Verordneten der Patrouillenkammer gehen und einen Rapport über seine Arbeit sowie über diejenige seiner Kollegen abgeben (2). An Sonntagen müssen die Stadtharschiere nur mit Stock und Seitengewehr patrouillieren sowie alle unerwünschten Personen still zur Stadt herausführen (3). Des Weiteren ist es die Aufgabe der Stadtharschiere, sich in den Wirtshäusern nahe der Stadt nach verdächtigen Personen zu erkundigen. Diese müssen dem Unterbeamten des Ortes zugeführt werden; Wirte oder Privathäuser, in denen verdächtige Personen beherbergt werden, sollen dem Präsidenten der Patrouillenkammer oder dem Stadthauptmann angezeigt werden (4). Nur Personen, die einen durch die Zürcher Obrigkeit bewilligten Steuerbrief haben, dürfen Geld sammeln. Personen mit anderen Steuerbriefen müssen von den Stadtharschieren zu einem Verordneten der Kommission der Steuer- und Bettelbriefe gebracht werden (5). Ausserdem müssen Personen, die aus der Stadt ausgeschafft werden sollen, der Stadtwache gezeigt werden, sodass die Wache sie bei versuchtem Wiedereintritt abweisen kann (6). Verdächtige Personen sollen von den Stadtharschieren nach ihren beim Eintritt benützten Stadttoren befragt werden, sodass sie am selben Stadttor wieder herausgeführt und gleichzeitig dem Wächter gezeigt werden können. Ausserdem müssen Bettler, die nur für den Zehrpfennig in die Stadt kommen, nach dessen Erhalt durch die Bettelvögte aus der Stadt geführt werden (7). Gewöhnliche Bettler sollen von den Stadtharschieren für die Abgabe des Zehrpfennigs ins Almosenamt gebracht und danach von den Bettelvögten zu den Stadttoren geführt werden. Falls Stadtharschiere auf fechtende Handwerksgesellen oder gewöhnliche Bettler stossen und kein Bettelvogt verfügbar ist, müssen sie wie oben beschrieben vorgehen (8). An Tagen mit Wochenmärkten müssen die Stadtharschiere dafür sorgen, dass keine Fuhrwerke die Strassen versperren (9). Bei Messen und Jahrmärkten sollen die Stadtharschiere besonders aufmerksam sein sowie Diebe und Straftäter einfangen (10). Beim Verlassen der Stadt müssen die Stadtharschiere dies selbst oder durch einen Kollegen dem Stadthauptmann melden (11). Schliesslich wird der Lohn der Stadtharschiere an gewöhnlichen Tagen sowie bei Aufträgen in der Nacht festgelegt (12). – Im dritten Teil der Ordnung werden Artikel zu den Landharschieren aufgeführt. Diese sollen einmal wöchentlich in ihrem Distrikt auf Streife gehen, wobei der Anfangsort jeden Tag wechseln muss. Alle zwei Wochen müssen sie vor der Patrouillenkammer einen Rapport ablegen (1, 2). Beim Streifzug müssen sich die Landharschiere nach verdächtigen Personen oder begangenen Freveltaten erkundigen und dabei nicht leichtgläubig sein und genau nachforschen (3). Das Büchlein, das die Landharschiere bei ihren Streifzügen mitnehmen müssen, soll von jedem Vorgesetzten eines Ortes mit Angabe des jeweiligen Tages unterschrieben werden. Es muss alle zwei Wochen in der Stadt Zürich zum Sekretär der Patrouillenkammer gebracht werden (4). Des Weiteren sollen die Landharschiere bei allen Märkten ihres Distrikts anwesend sein und den Befehlen der dortigen Obrigkeit Folge leisten (5). Zuletzt wird verordnet, dass die Landharschiere nur dann mehr Lohn fordern dürfen, wenn sie sich über Nacht in der Stadt aufhalten müssen (6).

  • Cote : StAZH III Ce I/2/1 (b)
  • Date : 1787 mars 26
  • Tradition : Druckschrift, 22 S.
  • Support d’écriture : Papier
  • Dimensions l × h (cm) : 11.0 × 17.5
  • Langue : allemand
  • Edition
    • SBPOZH, Bd. 6, Nr. 9, S. 101-122

Für die Vertreibung unerwünschter, mobiler Randgruppen im ZürcherLieu : Herrschaftsgebiet waren im 18. Jahrhundert verschiedene Berufsgruppen, die teils überschneidende Aufgabenbereiche hatten, zuständig. Auf der Landschaft waren dies hauptsächlich die Dorfwachen, wobei damit Berufs- oder Milizwächter gemeint sein konnten, sowie die Profosen (vgl. die Profosenordnung von 1636: SSRQ ZH NF I/1/11, Nr. 18). Als Patrouillenwächter wurden meist alle Wächter, die in der Stadt und auf der Landschaft patrouillierten, bezeichnet. Ab etwa 1770 wurden die Patrouillenwächter «Harschiere» genannt.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam es in ZürichLieu : zu einem intensivierten, obrigkeitlichen Sicherheitsdiskurs sowie zu einer erhöhten Kriminalisierung der Bettler und Vagierenden. In Folge der Teuerung und Hungerkrise von 1770/1771 verstärkte sich die obrigkeitliche Abwehrhaltung insbesondere gegenüber fremden Bettlern, Vagierenden und Migranten (vgl. Mandat betreffend Ausweisung verdächtiger Personen von 1771: SSRQ ZH NF I/1/11 69-1). Dies hing unter anderem mit den erfolglosen Versuchen der eidgenössischen StändeOrganisation : , sich mobile Randgruppen gegenseitig zuzuschieben, zusammen. Im Jahre 1771 beschloss die TagsatzungOrganisation : ausserdem, die eidgenössischOrganisation : koordinierten Bettlerjagden aufzugeben (EA, Bd. 7/2, Nr. 325f). Dies führte dazu, dass die ZürcherLieu : Obrigkeit neue Bestimmungen für ihre ordnungssichernden Organe erliess. So erfolgte mit den detaillierteren Vorschriften im Mandat von 1779 eine Professionalisierung der Dorfwachen (StAZH III AAb 1.14, Nr. 101). Obwohl deren Bewegungsradius nun auf das gesamte Gemeindegebiet ausgedehnt wurde, hatte die geringe Anzahl der Dorfwachen oft das Entweichen der gesuchten Personen zur Folge.

In den Jahren 1754/1755 entstand aus der GassenbettelkommissionOrganisation : die PatrouillenkommissionOrganisation : (auch PatrouillenkammerOrganisation : genannt), welche die Oberaufsicht über den Vollzug der Dorfwachen- und Bettelmandate hatte. Als Mitglieder fungierten ab 1780 acht Kleinräte und sechs Grossräte, das Präsidium übte ein Statthalter aus. Neben dem Aufsichtsrecht hatte die PatrouillenkommissionOrganisation : ein eingeschränktes Strafrecht sowie das Führungs-, Anordnungs- und Disziplinarrecht der ihr unterstellten Harschiere. Ausserdem war die PatrouillenkommissionOrganisation : für die Ausarbeitung von Gutachten und Mandatsentwürfen zuständig.

Nachdem es ab 1785 zu mehreren Hauseinbrüchen auf ZürcherLieu : Gebiet gekommen war, was die Obrigkeit fremden, herumreisenden Gaunern zuschrieb, beschloss die PatrouillenkommissionOrganisation : am 23. Januar 1787 dem RatOrganisation : den Vorschlag zu unterbreiten, die vorhandene Harschierordnung zu revidieren und sie im Oktavformat drucken zu lassen (StAZH B III 191, S. 205-206). Der RatOrganisation : trug der Kommission am 7. Februar 1787 auf, die bisherige Ordnung mit dem neuen Entwurf abzustimmen und sie erst danach drucken zu lassen. Ausserdem wies der RatOrganisation : darauf hin, dass die Harschiere das Schiessgewehr nur in Notwehr sowie bei flüchtenden Strassenräubern und Mördern einsetzen sollten (StAZH B II 1016, S. 45-46). Die revidierte Harschierordnung wurde am 26. März 1787 in einer Sitzung der PatrouillenkommissionOrganisation : verlesen, um einige Zusätze ergänzt und vor dem Druck allen Kommissionsmitgliedern zur Einsicht zugestellt (StAZH B III 192, S. 3).

Mit der vorliegenden Harschierordnung erfolgte eine Erweiterung des Auftrages der Harschiere. Neu waren sie nicht mehr nur für die Abwehr unerwünschter Personen, sondern auch für die Prävention und Verfolgung von Kriminalverbrechern zuständig. Dabei war weniger der Täter relevant, sondern die rechtliche und kriminologische Einordnung der Tat. Des Weiteren wurde die Führungsrolle des Stadthauptmanns gestärkt, die Informationsübermittlung verbessert, eine höhere Raumüberwachung angestrebt, die Personenidentifizierung differenzierter gestaltet sowie die intellektuellen und körperlichen Voraussetzungen für den Harschierberuf aufgewertet.

Trotz der Neuerungen in der vorliegenden Harschierordnung bestanden weiterhin Schwächen und grundlegende Probleme im zürcherischenLieu : Patrouillensystem. So war die Gesamtanzahl der Harschiere zu gering, die Verbreitungsgeschwindigkeit der Informationen zu langsam und es gab keine zentral geleitete Einsatzführung. Ausserdem fehlten den Harschieren die Machtmittel und die rechtlichen Grundlagen, um die Flucht verdächtiger Personen zu verhindern. Diese Probleme bestanden bis zum Ende des Ancien Régimes und liessen sich erst mit der Gründung des geschlossenen LandjägerkorpsOrganisation : im Jahre 1804 beseitigen.

Zu den Harschieren in ZürichLieu : vgl. HLS, Polizei; Ebnöther 2013; Züsli-Niscosi 1967, S. 108-122.

Texte édité


Instruction
fuͤr die
Harschirs,
erneuert und vermehrt Anno 1787Date : 1787.

[p. 2]Saut de page

Demnach UnGnHHerrenUnsere Gnaͤdigen Hohen Herren den taͤglichen Raͤthen
nichts angelegner ist, als die allgemeine Sicherheit zu
Stadt und Land durch dienliche Polizey-Anstalten zu bevestnen, und die zu diesem End abzweckende Wirksamkeit der Criminal-Justiz-Pflege moͤglichst zu befoͤrdern;
als haben Hochdieselben, in Betracht, daß die Harschirs hierbey, sowohl durch Entfernung des verdaͤchtigen
Gesindels und der herumstreiffenden Baͤttler, als auch
durch Aufsuch- und Anhaltung der Frefler und Verbrecher, so wie uͤberhaupt durch Verhuͤtung von Unfugen und genaue Aufsicht auf die Dorfwachen, worzu
ihr fleißiges Durchstreiffen der ihnen angewiesenen Bezirken vieles beytragen kann, ersprießliche Dienste leisten koͤnnen und sollen, großguͤnstig geruhet, den TitTituloChangement de police
HHerrenHohen Herren Verordneten zur PatrouilleChangement de police-KammerOrganisation : zu uͤberlassen, die fuͤr diese Classe der Polizey-Bedienten bereits substirende Pflicht-Vorschrift von neuem zu revidiChangement de policeren, und zu vervollstaͤndigen.

Wann nun dieses wirklich erfolget, und somit nachstehende Verordnung zu Stand gekommen ist; als wurde zugleich beschlossen, dieselbe in Druck befoͤrdern, und
jedem Harschir einQuantité : 1 Exemplar darvon zur Hand stellen
zu lassen.

Actum coram CommissioneChangement de police
ZuͤrichLieu d’origine : den 26. Maͤrz 1787Date : 26.03.1787.1
[p. 3]Saut de page

Allgemeine Pflichten.

I.

[Note dans la marge de droite :]
Aufmerksamkeit auf
ihre Pflichten, und
puͤnktliche
Erfuͤllung
derselben.

Alle von der LoͤblLoͤblichen PatrouilleChangement de police-KammerOrganisation : bestellte und avouirteChangement de police Harschirs sind verpflichtet,
nachfolgende Pflicht-Ordnung sich in allen
Theilen genau bekannt zu machen, und derselben puͤnktlich nachzuleben; zumalen, bey
allfaͤllig-einlangenden Klaͤgden, sie und die Uebertretungen werden zur Red gezogen, und
nach Beschaffenheit derselben unverschont bestraft werden.

II.

[Note dans la marge de droite :]
Ehrbarkeit
und Nuͤchternheit.

Sie sollen sich eines ehrbaren und nuͤchternen Wandels befleissen, damit sie jederweilen
zur Erstattung ihres Berufs tuͤchtig seyen.

III.

[Note dans la marge de droite :]
Unpartheylichkeit.

Sich sorgfaͤltig vor aller Bestechung, und
vor aller aus dieser oder andern Ursachen herruͤhrenden Partheylichkeit, Verschonung und
Verheelung huͤten.

IV.

[Note dans la marge de droite :]
Emisgkeit

Ihrem Beruf unverdrossen und mit Beyseitsetzung aller andern Nebengeschaͤften abwarten.

V.

[Note dans la marge de droite :]
Complete
Ruͤstung
und derselben Reinhaltung.

Wofern ihnen nicht ausdruͤcklich und besonders ein anderer Befehl ertheilt wird, allzeit
mit der ihnen vorgeschriebenen Montirung
dem Lederzeug, Ober- und Untergewehr reinlich und saͤuberlich im Dienst erscheinen.
[p. 4]Saut de page

VI.

[Note dans la marge de gauche :]
Subordination.

Dem TitTituloChangement de police HHerrenHohen Herren Praͤsidenten, und uͤbrigen zu den PatrouilleChangement de police-Geschaͤften verordneten
Herren, als ihren unmittelbaren Obern, in
allem schuldigen und willigen Gehorsam leisten.

Voraus sollen sie die Befehle der gesammten LoͤblLoͤblichen PatrouilleChangement de police-KammerOrganisation : , oder derjenigen HHerrenHohen Herren CommittirtenChangement de police, so den Monatkehr haben ‒ wann selbige sich zu 14. TagenDurée répétée : 14 jours
um, oder auch ausserordentlich versammeln ‒
gewaͤrtigen und vollziehen.

Hiernaͤchst sind sie besonders der Inspection
und den Ordres des TitTituloChangement de police HHerrenHohen Herren Stadthauptmanns unterworfen.

Und endlich haben sie auch die Auftraͤge zu
verrichten, welche ihnen von den TitTituloChangement de police HHHerrenHohen Herren Praͤsidenten der in der Stadt gesetzten
Tribunalien, von den HHerrenHohen Herren Nachgaͤngern,
und von den HHerrenHohen Herren Ober- und Landvoͤgten
ertheilt werden.

Alles in der Meynung, daß sie auf die von
diesen respectiveChangement de police Behoͤrden empfangende Befehle und Auftraͤge aufmerksam achten, deren
Vollstreckung puͤnktlich und in eigner Person
besorgen, aus sich selbst keine Abaͤnderung in
den vorgeschriebenen Maasregeln treffen, und
von dem Erfolg ihrer Verrichtungen behoͤrigen RapportChangement de police erstatten.

VII.

[Note dans la marge de gauche :]
Vertreibung des
Strolchen-
Gesinds
und Baͤttel-Volks.

Eine ihrer Hauptpflichten bestehet sodann
darinn, die Stadt und das Land von dem
Strolchen- und Baͤttel-Gesind rein halten
zu helfen. Unter dieser Benennung sind begriffen
[p. 5]Saut de page
[Note dans la marge de droite :]
ClassificationChangement de police desselben, und
hiernach
eingerichtete verschiedene
DispositionenChangement de police.
[Note dans la marge de droite :]
Fremdes
Baͤttelvolk.

1mo. Alle fremde Vagabunden, Schuhwachskugeln- Dinten- Ring- und Buͤrsten-
Kraͤmer, SavoyischeLieu : Scheerschleiffer, sich
heissende RefugièsChangement de police, Proselyten, auslaͤndische
Soldaten und Deserteurs, Meer-Mannen,
Spiel- und Tischhalter, Collectanten von verdaͤchtigem Aussehen, oder deren Paͤsse und
Steuerbriefe uͤber ein JahrPériode : 1 année alt sind, oder sie
anderwaͤrts hinweisen, unbekannte, verdaͤchtige Kraͤmer, luͤderliche Weibspersonen etcAbréviation.

Diese alle, sie moͤgen nun fremde Paͤsse haben
oder nicht, sollen aussert die Graͤnzen des
Cantons gebracht, und verwarnet werden,
daß sie bey zu erwarten habender Leibesstrafe
nicht mehr ins Land kommen; und ‒ wofern
jemand von derley Gesindel zum zweyten mal
betretten wird, soll er der naͤchsten Orts-Herrschaft zum Verhaft und weiterer angemeßner
Bestrafung eingeliefert werden.
[Note dans la marge de droite :]
Landskinder.

2do. Die Baͤttler, so hiesige Angehoͤrige
sind, oder sich darfuͤr ausgeben.

Selbige sind aller Orten mit Ernst vom Baͤttel abzumahnen, und in ihre Gemeinden zu
weisen. Und ob solche gleich AttestataChangement de police oder
Empfehlungen von ihren Pfarrherren mitfuͤhren, ist ihnen deswegen das Herumziehen im
Land und das Einschleichen in die Haͤuser nicht
zu gestatten; zumalen alle diejenigen Angehoͤrige, welche zu collectiChangement de policeren befugt sind, darzu
einzig durch eine Erlaubniß-PatenteChangement de police aus hiesigen Staats- oder auch den Obrigkeitlichen
Canzleyen auf der Landschaft privilegirtChangement de police werden. Wurden dergleichen einheimische Baͤttler zum zweytenmal betretten; so soll man sie, [p. 6]Saut de page
auf Kosten der Gemeind, in welche sie gehoͤren, ihren Seelsorgern zu einem ernstlichen
Zuspruch zufuͤhren; und, wofern solche daruͤberhin sich dann noch weiter blicken lassen,
muͤssen sie, besonders wann es junge und starke Leute sind, der Ortsherrschaft, unter welcher sie stehen, zur erforderlichen Ahndung,
und angemeßner DispositionChangement de police fuͤr die Zukunft,
zugebracht werden.
[Note dans la marge de gauche :]
EydgenoͤssischeLieu : .

3tio. Die Baͤttler aus den EydgenoͤßischenLieu :
Orten, die oft, zu ganzen Haushaltungen,
das Land durchstreichen.

Mit diesen ist es so zu halten, daß sie den
naͤchsten Weg auf ihre Heymath zu, von einer Gemeind zur andern, durch die Dorfwachen bis an die Graͤnzen gefuͤhrt, und, falls
sie sich widerspaͤnnig erzeigten, mit Gewalt
darzu angehalten; auch bey widermaligem Betretten der naͤchsten Orts-Oberkeit zugefuͤhrt
werden sollen, damit Dieselbe gegen sie den
gutbefindenden Ernst gebrauchen kann.

Es hat aber in Ansehung der Vorschrift, so
der erste und dritte Punkt enthalten, daß naͤmlich die wieder betretende EydgenoͤßischeLieu : und
fremde Laͤuflinge der naͤchsten Orts-Obrigkeit
sollen zugebracht werden, die Meynung, daß
selbige sich nur auf die Landvogtey-Aemter
und Bezirke beziehet; und hingegen diejenige
zwey- und mehr mal Fehlbaren, welche in
den Distrikten der innern Obervogteyen, oder
in der Stadt angehalten werden, dem HHerrnHohen Herrn
Stadthauptmann oder den HHerrenHohen Herren Verordneten, so den Monat-Kehr haben, muͤssen
zugefuͤhrt werden.
[p. 7]Saut de page
[Note dans la marge de droite :]
Unverdaͤchtige CollectantChangement de policeen.

Was dann diejenige EydgenoͤßischeLieu : oder
fremde Steuersammler beruͤhrt, deren Aussehen zu keinem Verdacht gegen sie Anlaß giebt,
und deren Paͤsse und Steuerbriefe weder veraltet sind, noch sie anderwaͤrts hinweisen; so
soll denselben gleichwol nicht gestattet werden,
auf der Landschaft, bey wem es immer seyn
mag, zu collectiChangement de policeren; sondern dieselbe muͤssen,
dem geraden Weg nach, der Hauptstadt zugewiesen werden.
[Note dans la marge de droite :]
Handwerks-
Gesellen, EydgenoͤssischeLieu : Soldaten und
Deserteurs.

Betreffend endlich die Handwerks-Gesellen,
und die EydgenoͤßischeLieu : abgedankte Soldaten
und Deserteurs, die sich mit unverdaͤchtigen
Kundschaften, Abscheiden oder Paͤssen rechtfertigen koͤnnen; die soll man dahin anhalten,
daß sie an das Ort hin, wo sie zielen, immer
den Haupt-Landstrassen nachgehen, und des
zudringlichen und unverschaͤmten Fechtens sich
muͤßigen.

Die Vollziehung aller in diesem Artikel enthaltenen Verordnungen sollen die Harschirs
sich auf das genaueste angelegen seyn lassen;
und, wofern selbige bey schleunigen ExpeditionChangement de policeen, zu denen sie ausgeschickt werden, nicht
in eigner Person hierbey den Dienst ganz leisten koͤnnen; sollen sie das Gesindel, das aus
dem Land zu schaffen ist, wo moͤglich der
naͤchsten Dorfwache einhaͤndigen, oder dann
derselben so bestimmt signalisiren, daß diese
solches aufsuchen, und an das Ort seiner Bestimmung, von einer folgenden Dorfwache
zur andern, transportiChangement de policeren lassen kann.

Vorzuͤglich aber sollen sie, die Harschirs,
bedacht seyn, die Dorfwachten und die uͤber [p. 8]Saut de page
dieselben bestellte Aufseher in den Gemeinden
unserer Landschaft mit den in diesem Artikel
begriffenen Vorschriften in allweg recht bekannt
zu machen, und ihnen einzuschaͤrfen, daß sie
puͤnktlich und gleichfoͤrmig denselben nachkommen und darauf halten.

VIII.

[Note dans la marge de gauche :]
Aufsicht
auf die

Eine andere Hauptpflicht der Harschirs gehet darauf, daß bey allen Streiffen und ExpeditionChangement de policeen, die sie vornehmen, von ihnen
sorgfaͤltig nachgesehen, Acht gegeben und nachgefraget werde, ob
[Note dans la marge de gauche :]
Dorfwachen.

a. die Dorfwachen richtig bestellt seyen, und
ihre Pflicht ordentlich erstatten.
[Note dans la marge de gauche :]
Faͤhren,
und Schiffleute.

b. die Faͤhren an der LimmatLieu : , der ThurLieu : ,
dem RheinLieu : , der ReußLieu : , oder bey irgend
einer andern Ueberfahrts-Gelegenheit,
oder auch die Schiffleute am Zuͤrich-SeeLieu : ,
GreiffenLieu : - und Pfeffikommer-SeeLieu : , nicht
etwan verdaͤchtiges Gesindel ins Land setzen, oder durch See-Ueberfahrten dem
Abweichen desselben von der geraden
Straß, oder gar seinem Entkommen etcAbréviation
befoͤrderlich sind.
[Note dans la marge de gauche :]
Beherbergung verdaͤchtiger Leute.

c. nicht etwan in Doͤrfern und noch mehr
auf einzelnen Hoͤfen verdaͤchtiges Volk ‒
entgegen der Lands-Ordnung ‒ beherberget, und demselben Unterschlauf gegeben werde.
[Note dans la marge de gauche :]
Anzeige
der Fehlbaren.

Zumalen sie, die Harschirs, gehalten sind, diejenige, so sich uͤber diese Punkten fehlbar finden lassen, unverzuͤglich der Orts-Herrschaft,
und in den Obervogtey-Bezirken entweder
dem TitTituloChangement de police HHerrnHohen Herrn PraesidentChangement de policeen der Patrouille-Changement de police [p. 9]Saut de page
Kammer
Organisation :
, oder dem HHerrnHohen Herrn Stadthauptmann
zu verzeigen.

IX.

[Note dans la marge de droite :]
Vorweisung der
ArmaturChangement de police und MunitionChangement de police.

Die Harschirs sollen ihre ArmaturChangement de police, und
besonders ihr Feurgewehr in gutem Stand erhalten, auch mit der ihnen bestimmten MunitionChangement de police sattsam versehen seyn; zumalen sich
gefaßt halten, bey der 14-taͤgigenDurée répétée : 14 jours Erscheinung, alles in behoͤriger Ordnung vorzuweisen,
[Note dans la marge de droite :]
Geladenes
Gewehr.

Keiner soll sich zu einem Streifzug auf die
Strasse verfuͤgen ohne die vollstaͤndige ArmaturChangement de police und die erforderliche MunitionChangement de police, und ohne sein Gewehr geladen zu haben.
[Note dans la marge de droite :]
Vorsicht
beym Ablegen desselben.

Damit aber alle ungluͤckliche Vorfaͤlle vermieden werden, sollen sie jederzeit, bevor sie
das Feurgewehr ablegen, ein ledernes Futter
uͤber den Zuͤndpfanne-Deckel ziehen, auch
die Flinte dergestalt aufhaͤngen und verwahren,
daß, beym allfaͤlligem Losgehen, niemand
darvon Schaden leiden kann. Zumalen ihnen andurch angesinnet wird, daß, wofern
wegen Nachlaͤßigkeit von ihrer Seite Ungluͤck
entstehen sollte, sie daruͤber zu schwerer Verantwortung wurden gezogen, und zu moͤglichstem Schaden-Ersatz angehalten werden.
[Note dans la marge de droite :]
Niederschiessen tauber
Thieren.

Dieß ihr Feuergewehr sollen sie vorzuͤglich
zu Verfolgung tauber und wuͤthender Thieren
gebrauchen; zumalen hiermit aufgefordert seyn,
solche, wo immer moͤglich, wiewol mit angemeßner Vorsicht fuͤr die etwan um die Weg
befindliche Menschen, niederzuschiessen.
[p. 10]Saut de page

X.

[Note dans la marge de gauche :]
Maaßregeln bey
Verhaftnahm geringer
Frefler.

Werden sie zur Einholung von Freflern,
die wegen geringen Verbrechen in Verhaft gesetzt werden muͤssen, ausgeschickt und gebraucht;
so sollen sie nie anderst, als im hoͤchsten Fall
der Nothwehr, und wann man gegen sie, die
Harschirs selbst, Gewalt anwenden wollte,
sich des Schießgewehrs bedienen; mithin
beym Entweichen eines solchen nie auf ihn
schiessen; wol aber sonst, mittelst Aufbietung
der noͤthigen Mannschaft in dem ersten bewohnten Ort und veranstaltender Nachsetzung,
des Fluͤchtlings sich wieder zu bemaͤchtigen
suchen.

XI.

[Note dans la marge de gauche :]
Bey Verhaftnahm oder Einholung im
Land ansaͤssiger oder schon gefangen sitzender
schwerer
Verbrecher.

Beordert man sie, Verbrecher von gefaͤhrlicherer Art, und die wegen wichtigen Einbruͤchen, Diebstaͤlen, Strassen-Raub oder
Mord in Verdacht stehen, und entweder im
Land wohnhaft sind, oder im Verhaft von
untergeordneten Instanzen sitzen, ab- und in
die Hauptstadt einzuholen; so sind sie anmit
beg'waͤltiget, im Fall sie sich nicht getrauen,
allein dieselben sicher einzuliefern, bey der
Orts-Herrschaft, oder, wann diese in der
Entfernung sitzt, bey dem ersten Dorfbeamteten anzusuchen, daß ihnen, zu genauer Erfuͤllung ihres Auftrags, die benoͤthigte Mannschaft zugegeben werden moͤchte: Zu welchem
Behuff sie dann nur diesen Punkt ihrer Instruction, der ihnen statt einer Vollmacht
dienen soll, vorzeigen doͤrfen.

Bey schon inhaftirt gewesenen Verbrechern
aber moͤgen sie nebenhin des Bindens und
Daumeleisens sich bedienen.
[p. 11]Saut de page

Dargegen bleibt ihnen dannzumal der Gebrauch des Schießgewehrs gaͤnzlich untersagt,
der Fall ausgenommen, wo gegen sie Gewalt
gebraucht werden wollte, um den oder die
Gefangene zu befreyen, mithin sie genoͤthiget
waͤren, zu ihrer eignen Vertheidigung, sich
in Gegenwehr zu setzen.

XII.

[Note dans la marge de droite :]
Bey Aufsuchung
und Vestmachung
fremder
schwerer
Verbrecher.
[Note dans la marge de droite :]
Aufnahm
der Signalements.

Sind es fremde, entweder ganz unbekannte, oder nur dem Aeussern nach kennbare,
schwere Verbrecher, so sie aufsuchen muͤssen:
Dann sollen sie allererst um eine, so viel
moͤglich, bestimmte und umstaͤndliche Beschreibung derselben fragen; solche, falls sie
ihnen nur von Mund aus ertheilt werden
kann, sogleich in ihr Taschenbuch verzeichen,
und allen ihren Cameraden, wann es die Zeit
zulaͤßt, mittheilen; zumalen diese, entweder
von ihnen selbst niedergeschriebene, oder ihnen allfaͤllig schriftlich zugestellte Signalements
zu ihrer Rechtfertigung allerwegen vor[zuwei]Endommagé par coulure d’encre, complété à l’aide de SBPOZH, Bd. 6, Nr. 9, S. 101-122 https://www.e-rara.ch/zut/content/pageview/9531889asen sich bereit halten.

Es moͤgen ihnen aber Signalements koͤnnen zugestellt werden oder nicht; wie dann
auch der Fall eintreffen kann, daß man gar
keine sichere Vermuthung von dem Urheber
einer Uebelthat hat, und aber auf's ungewisse
die Harschirs zur Ausspaͤhung des um die Wege befindlichen verdaͤchtigen Strolchen-Gesinds ausschickt; sollen sie, ohne Saͤumniß,
auf die ihnen angewiesene Strasse sich begeben.
[Note dans la marge de droite :]
In bewohnten Oertern.

Stossen ihnen alsdann bey und in abgelegnen Haͤusern, Hoͤfen, oder auch in Doͤrfern
Argwohn erweckende oder dergleichen Perso[p. 12]Saut de pagenen auf, die mehr oder minder den signalisirten aͤhnlich sind; so beg'waͤltiget man sie
anmit, solche dem Orts-Beamteten zuzufuͤhren; oder in abgelegnen Wohnungen den
Hauspatron zuzuziehen, und dannzumal nicht
allein ihre Schriften und Paͤsse sorgfaͤltig zu
untersuchen, und sie uͤber ihre Route und Begangenschaft umstaͤndlich zu befragen; sondern (wann jene unrichtig sind, und ihre
Antworten sie verdaͤchtig machen wurden)
auch ihre Taschen und Hardes zu visitiren;
und bey fuͤrdauerndem Verdacht, obwol nicht
erprobter Uebereinstimmung mit dem Signalement, koͤnnen sie, in Kraft oben empfangener Vollmacht, eine Bedeckung verlangen,
und den Beargwohnten noͤthigen, mit ihnen
zur Stadt zu kommen. Stimmt aber das
Aussehen der oder des Aufgefundenen puͤuktÀ corriger en : puͤnktblich mit dem Signalement uͤberein; oder hat
sich bey der Durchsuchung ein Effect aufgefunden, das den Verdacht mit Grund vermehrt; oder sind es endlich bekannte Gauner und schlechte Bursche; so doͤrfen sie neben
der Bedeckung (wann solche daruͤber aus noͤthig ist) das Binden nndÀ corriger en : undc Daumel-Eisen zur
sichern Einlieferung gebrauchen.

In beyden diesen Faͤllen sollen sie jedoch
des Schieß-Gewehrs sich nicht bedienen, ausgenommen der §. XI. beschriebene Nothwehr-
Umstand wurde auch hier eintreten, und sie
zum Gebrauch desselben berechtigen.
[Note dans la marge de gauche :]
Auf freyer
Strasse.

Wofern aber, bey einem solchen auf todeswuͤrdige Verbrecher vornehmenden Streifzug, ihnen auf offner Strasse jemand Verdaͤchtiger begegnet; oder sie auf dergleichen [p. 13]Saut de page
Gesindel stossen; so wird ihnen die Ordre ertheilt, selbiges anzuhalten, wol zu beachten,
und allweg zu befragen; zumalen, bey nicht
sattsamer Rechtfertigung, oder dem geringsten uͤberbleibenden Zweifel einer Aehnlichkeit
mit dem Signalement, zur Folge nach der
Stadt aufzufordern, und zwar unter der Ankuͤndigung, daß, wer sich widersetze, abweiche, oder gar sich fluͤchtig mache, auf den
werde man ohne anders schiessen. Sollte
wirklich dann gegen den Harschir Widerstand
gethan werden wollen; so mag derselbe Gewalt brauchen, als weit es noͤthig ist, sich
selbst zu vertheidigen, und des verdaͤchtigen
Gesinds maͤchtig zu werden. Haͤlt man nicht
Stand, und will entfliehen; so darf der Harschir (wofern er die Flucht sonst nicht hindern kann) sein Gewehr, jedoch auf die Beine des Fluͤchtlings zielend, losdruͤcken. Trift
der Schuß; so wird es ihm leicht seyn, des
Verwundeten sich wieder zu bemaͤchtigen:
geht aber solcher fehl; soll er dem Fluͤchtigen
sofort nacheilen, und, falls er allein, ihne
einzuholen, aussert Stand ist, bey den naͤchsten Haͤusern, oder dem ersten Dorf,
Leute zum Nachsetzen aufbieten, kurz nichts
zu unterlassen, was zur Einbringung des durch
sein Ausreissen doppelt verdaͤchtigen Burschen
anzuwenden moͤglich ist.

Da dasjenige, was in diesem, und dem
X. und XIten Artikel den Harschirs zur Anhaltung und sichern Einbringung der Frefler
und Verbrecher vorgeschrieben worden, so
eingerichtet ist, daß ihnen umstaͤndliche Anleitung gegeben wird, wie sie, bey Erfuͤllung [p. 14]Saut de page
dieser schwirrigen Berufspflicht nicht allein
ihre Personen sicher stellen; sondern auch allen widrigen Zufaͤllen vorbiegen koͤnnen; so
werden sie hinwieder aufs kraͤftigste verwarnt,
ja keine von den angezeigten Vorsorgen aus
der Acht zu lassen; indem, wann durch irgend eine Versaͤumniß von ihrer Seite ein
Verbrecher entweichen sollte, oder sie dann
ihr Feurgewehr anderst als in den bestimmten
Nothfaͤllen gebrauchen wuͤrden, beydes ihnen
eine sehr ernstliche Verantwortung und Strafe
zuziehen muͤßte.


Besondere Pflichten der Harschirs
in der Stadt

1.

[Note dans la marge de gauche :]
Einrichtung ihres
Streifs
durch die
Stadt.

Dieselbe sollen, wann nicht ehhafte Ursachen sie hieran verhindern, Morgens, sobald
der Tag anbricht, beym RathhausLieu : sich einfinden; daselbst sich erkundigen, ob nichts
Unrichtiges waͤhrend der NachtPériode : la nuit vorgefallen;
und, wann allenfalls etwas begegnet, was
einige Nachsuchung, oder sonstige Dienste,
von ihnen erforderte, gleich zu dem TitTituloChangement de police
HHerrnHohen Herrn Stadthauptmann sich verfuͤgen, und
desselben Befehle erwarten: Sonsten aber
vom RathhausLieu : weg sich vertheilen; zu den
Porten kehren, daselbst Nachfrag halten,
was fuͤr Personen hineingekommen, und allenfalls diejenigen, so einigen Argwohn erweckt, sich von der Wache signalisiren lassen, um auf sie ein wachsames Aug richten
zu koͤnnen.
[p. 15]Saut de page

Sodann haben sie den Bedacht zu nehmen, daß sie bey ihrem Streiff durch die
Stadt bestaͤndig gegen einander kreutzen, auf
alle im VII. §. der allgemeinen Pflichtordnung
beschriebene Classen von Herumlaͤufern Acht
geben, und mit einander verabreden, daß
Abwechslungsweise je die Haͤlfte von ihnen
auch waͤhrend der MittagsstundePériode : à midi patroulliChangement de policere.
Darmit sollen sie von MittagPériode : à midi bis zu einbrechender NachtPériode : la nuit geflissen fuͤrfahren: und auch
wirklich gewaͤrtig seyn, ob der HHerrHohe Herr Stadthauptmann, oder die HHerrenHohen Herren Verordnete von
der Patrouille-Changement de policeKammerOrganisation : ihrer Diensten noch
spaͤter in die Nacht hinein etwan benoͤthiget
seyn moͤchten; mithin zur Erstattung derselben sich ebenfalls bereit und willig erzeigen.

2.

[Note dans la marge de droite :]
Rapport-Changement de police
Erstattung.

Alle Nachmittag soll einer von ihnen sowol zu dem HHerrnHohen Herrn Stadthauptmann, als
zu denen HHerrenHohen Herren Verordneten, die den Monat-TourChangement de police haben, hinkehren, RapportChangement de police von
den selbsteignen und seiner Collegen Verrichtungen abstatten, und fernere Befehle gewaͤrtigen.

3.

[Note dans la marge de droite :]
PatrouillesChangement de police
an SonntagenDurée répétée : 1 semaine.

An den SonntagenDurée répétée : 1 semaine soll je die Haͤlfte von
ihnen, jedoch ohne MonturChangement de police, und nur mit
Stock und Seiten-Gewehr versehen, fleißig
den Kehr durch alle Strassen der Stadt machen, und die Baͤttler oder andere Laͤufling,
so sie antreffen, in der Stille ab- und zur
Stadt hinausfuͤhren.
[p. 16]Saut de page

4.

[Note dans la marge de gauche :]
Streif allernaͤchst
um die
Stadt.
VisitationChangement de police
der dortigen Wirths-
uund Schenkhaͤuser.

Sie sollen sich gefaßt halten, auf die ihnen etwan ertheilende OrdresChangement de police hin, von
Zeit zu Zeit in den allernaͤchst um die Stadt
gelegnen Bezirken zu streiffen, in die daselbst
befindliche Wirths- und Schenkhaͤuser zu kehren, und dorten nachzufragen und zu sehen,
was fuͤr Leute Aufenthalt finden. Bemerken sie etwas Unrichtiges; so ligt ihnen ob,
die betrettende suspecte Personen dem Unterbeamteten des Orts zuzufuͤhren, und ihne anzugehen, daß er auf der Stelle solche durch
die bestellte Wache fortschaffen lasse; diejenige Wirthe oder sonstige Hauspatronen aber,
die sich mit Beherbergen sothanen Gesindels
verfehlen, haben sie dem TitTituloChangement de police HHerrnHohen Herrn PraesidentChangement de policeen der Patrouille-Changement de policeKammerOrganisation : , oder dem
HHerrnHohen Herrn Stadthauptmann unverweilt anzuzeigen.

5.

[Note dans la marge de gauche :]
Verfahren
mit unpatentirten
CollectanChangement de policeten.

Da keine andere, als von hiesiger Hoher
Obrigkeit patentirte CollectantChangement de policeen in den Privat-Haͤusern der Stadt Steuern einsammeln
doͤrfen; als werden die Harschirs, falls ihnen hiesige oder fremde, nicht patentirte, CollectantChangement de policeen aufstossen, oder wann dergleichen
ihnen verzeigt worden sind, und die solche in
der Folge erhaschen, selbige alsogleich einem
der HHerrnHohen Herrn Verordneten zur Untersuchung
der Steur- und Baͤttel-Briefen zufuͤhren,
erwarten, was derselbe dieser Leuten halben
disponiretChangement de police, und die Befehle, so Er ihnen ertheilet, puͤnktlich vollziehen.
[p. 17]Saut de page

6.

[Note dans la marge de droite :]
ConsignationChangement de police der
aus der
Stadt fortgeschafften Laͤuflingen.

Sowol diese Steursammler, sie moͤgen
mit oder ohne einen Steurpfenning aus der
Stadt fortgeschaft werden, so wie auch andere Baͤttler und Vagabunden, welche sie,
aus sich, zur Stadt hinausfuͤhren, sollen sie
bey den Pforten consigniChangement de policeren, damit die Schildwache solche, falls sie wieder in die Stadt
treten wollen, abweisen kann.

7.

[Note dans la marge de droite :]
Aufsicht
auf die
Wache bey
den Pforten, und
auf die
Baͤttelvoͤgte.

Alle Vagabonden von zweydeutigem Aussehen, auf die sie stossen, muͤssen sie befragen, bey was fuͤr einer Pforte sie in die
Stadt gekommen; solche, nachdem der HHerrHohe Herr
Stadthauptmann oder die HHerrenHohen Herren Verordneten ihrethalben das Noͤthige verfuͤget, zu
eben der Pforte wieder hinausfuͤhren, im Vorbeygang der Wacht vorweisen, und sie verwarnen, dergleichen Bursche nicht mehr in
die Stadt hineinzulassen.

Darauf sowol, als auch, ob die Wache
bey den Pforten Leute, die augenscheinlich
nur um des Baͤttels willen zur Stadt kommen, ordentlich bey sich behalte, bis sie zum
̈Zehrpfenning abgeholt werden; und ob auch
die Baͤttelvoͤgte ihre Pflicht erstatten, haben
sie genaue Achtung zu geben, und jede dießfaͤllige Versaumniß, welche von ihnen bemerkt wird, behoͤrigen Orts unverschont anzuzeigen.
[p. 18]Saut de page

8.

[Note dans la marge de gauche :]
Verfahren
mit Strassen-Baͤttlern.

Gewoͤhnliche Baͤttler, die sie auf der
Strasse antreffen, fuͤhren sie ins Allmosen-
Amt
Organisation :
, um daß sie daselbst die Stunde des
Zehrpfennings erwarten.

Die Baͤttelvoͤgte haben zwar freylich die
Obliegenheit, auf dergleichen Leute besonders
zu spaͤhen, und selbige bis zur Stunde des
Zehrpfennings im Allmosen-AmtOrganisation : aufzuhalten; so wie auch dieselben allein alle die,
welche den Zehrpfenning empfangen, vom
Kloster weg- und zu den Pforten abfuͤhren.

Es ist aber darbey verstanden, daß
wann kein Baͤttelvogt um die Weg sich findet, daß dann die Harschirs, welche auf
fechtende Handwerks-Gesellen, oder gewoͤhnliche Baͤttler stossen, solche, wie oben bemeldt, ins Kloster fuͤhren.

9.

[Note dans la marge de gauche :]
Abhebung
des Gesperrs der
Wagen.

An den Wochen-Markt-Tagen, wo die
Zu- und Abfuhr der Wagen betraͤchtlich ist,
sollen sie sich so vertheilen, daß immer eine
genugsame Zahl von ihnen das Gesperr der
Wagen verhuͤten, und die Fuhrleute zur Ordnung weisen kann.

10.

[Note dans la marge de gauche :]
Verdoppelte Wachsamkeit zu
Meßzeiten
|Saut de pageund an den
Jahrmarkt-
Tagen.

Zu Meßzeiten und an den Jahrmarkt-
Tagen muͤssen sie ihre Sorgfalt verdoppeln;
immer ein paar von ihnen an den Stellen, [p. 19]Saut de page
wo das Gedraͤng am groͤßten ist, gegenwaͤrtig seyn, aller Unordnung und jedem Laͤrm
sogleich begegnen, und bey erfolgenden Diebereyen oder andern Frefeln ihr moͤglichstes
thun, den Thaͤter zu entdecken und aufzufangen.

11.

[Note dans la marge de gauche :]
Anzeig, wann
einer von
ihnen aussert die
Stadt versendet wird.

Keiner aus ihnen soll die Stadt verlassen,
ohne daß er (wann die Eil ihm nicht zulaͤßt,
es selbst zu thun) durch einen seiner Cameraden nicht sogleich den TitTituloChangement de police HHerrnHohen Herrn Stadthauptmann avisiChangement de policeren lasse, daß, von wem
und wohin er seye aussert die Stadt beordert
worden.

12.

[Note dans la marge de gauche :]
ExtraChangement de police-Belohnung.

Jedesmal, daß sie aussert die Stadt geschickt werden, lauft ihnen ihre gewohnte Belohnung gleich fort; uͤber das aus aber, sind
ihnen prproChangement de police einen TagPériode : 1 jour und eine NachtPériode : 12 heures 32. Unité monétaire : 32 sous/sols ,
wann sie aber nur den Tag allein zur ExpeditionChangement de police brauchen, 24. Unité monétaire : 24 sous/sols geordnet; und sollen
sie, bey zu erwarten habender Ahndung, fuͤr
dergleichen ExtraChangement de police-Gaͤnge weder mehrers fordern, noch auch abnehmen moͤgen.
[p. 20]Saut de page


Besondere Obliegenheiten der
Land-Harschirs

1.

[Note dans la marge de gauche :]
WoͤchentlicherDurée répétée : 1 semaine Streif.
[Note dans la marge de gauche :]
14 taͤgigerDurée répétée : 14 jours
Rapport.Changement de police

Sie sind gehalten, woͤchtentlichDurée répétée : 1 semaine einmal
den ihnen angewiesenen DistrictChangement de police zu durchstreifen, und bey diesem Kehr dasjenige wol in
Acht zu nehmen und in Ausuͤbung zu bringen, was ihnen in dem VII. und VIIIten
Artickel der allgemeinen Pflichtordnung vorgeschrieben ist; zumalen sie sich gefaßt halten
muͤssen, bey ihrer 14taͤgigenDurée répétée : 14 jours Erscheinung vor
der Kammer, hierum getreuen und zuverlaͤßigen RapportChangement de police abzulegen.

2.

[Note dans la marge de gauche :]
Abgeaͤnderter Kehr-
Anfang.

Ihre bemeldte Streifzuͤge sollen sie dergestalt einrichten, daß sie solche uͤber jedesmal
bey einem andern Ort anfangen, damit die
Dorfwachen niemals wissen koͤnnen, zu welcher Zeit sie eintreffen werden.

3.

[Note dans la marge de gauche :]
Nachfrag
wegen verdaͤchtigem Gesindel.

Auch haben sie sich sorgfaͤltig bey ihren
Kehren zu erkundigen, ob in dem ihnen angewiesenen Bezirk oder in der Nachbarschaft
desselben aussert oder in dem Canton von verdaͤchtigem Gesindel etwas verspuͤrt, oder irgend eine Frefelthat von derley Pack veruͤbt
worden seye; hierbey aber sollen sie nicht je[p. 21]Saut de pagedes leere und grundlose Geschwaͤtz sogleich
fuͤr wahr aufnehmen; sondern allem genau
nachfragen, und immer bereit seyn, ihren
Mann um den hinterbringenden Bericht anzeigen zu koͤnnen.

4.

[Note dans la marge de droite :]
Verzeichniß
ihrer Streifzuͤgen.

Damit aber die Kammer versichert seyn
koͤnne, daß sie ihre Streifzuͤge vorschriftmaͤssig vollfuͤhren, sollen sie in die ihnen mitgebende Buͤchlein durch den ersten Vorgesetzten jedes Orts, den sie besuchen, verzeichnen lassen, daß und welchen Tags sie
durchpaßirt.
[Note dans la marge de droite :]
14 taͤgigeDurée répétée : 14 jours
Einreichung
desselben.

Dieses Buͤchlein soll jeder von ihnen alle
14. TageDurée répétée : 14 jours ohnfehlbar zur Stadt bringen, und
dem Herrn Sekretair der CommissionChangement de police einhaͤndigen, damit derselbe solches durchgehen,
und nachsehen kann, ob sie ihre Pflichten erstattet haben oder nicht; folglich in Fall gesetzt werde, hieruͤber die LoͤblLoͤbliche Kammer behoͤrig zu berichten.

5.

[Note dans la marge de droite :]
Dienstleistung bey
Markt-
Anlaͤsen.

Bey Markt-Anlaͤsen in den Staͤdtchen
und Flecken ihres Distrikts sollen sie sich
allemal einfinden, und unter den Befehlen
der Orts-Obrigkeit, oder des dortigen Unter-Beamteten zur Beybehaltung guter Ordnung, Festmachung und Handhab der Frefler und Widerspaͤnnigen ihre besten Dienste
anbieten und leisten.
[p. 22]Saut de page

6.

[Note dans la marge de gauche :]
Ueberloͤhnung.

Sie haben in keinem Fall Ueberloͤhnung weder zu fordern noch anzunehmen,
als wann sie wegen ExtraChangement de police-Geschaͤften uͤber
NachtPériode : la nuit sich in der Stadt aufhalten muͤssen,
wo ihnen dannzumal, neben ihrem gewohnten Taglohn, eine Zulage von 18. Unité monétaire : 18 sous/sols gereicht werden soll.
[p. 23]Saut de page
[p. 24]Saut de page
[p. 25]Saut de page
[p. 26]Saut de page

Annotations

  1. Endommagé par coulure d’encre, complété à l’aide de SBPOZH, Bd. 6, Nr. 9, S. 101-122 https://www.e-rara.ch/zut/content/pageview/9531889.
  2. À corriger en : puͤnkt.
  3. À corriger en : und.
  1. Laut Christoph Ebnöther wurde die Harschierordnung erst 1788 verabschiedet (Ebnöther 2013, S. 339, Anm. 1967). Dies lässt sich aber weder in den Ratsmanualen noch in den Protokollen der PatrouillenkommissionOrganisation : nachweisen.